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Auf die Frage, was die Menschheit aktuell am meisten gefährdet, könnte eine Antwort lauten: ‚Informationen‘.
Diese Antwort wäre einerseits überraschend, da doch gemeinhin Kriege, Hungersnöte und Klimaveränderungen das ‚Ranking der Katastrophen‘ anführen – und auch die Gewalt gegen Frauen und die Gier der Menschen würden sich hier nahtlos einreihen. Andererseits sind heutzutage die Menschen ‚weltweit‘ einer wahren Sintflut an Informationen (Text und Bild) und damit meinungsbildenden Bausteinen ausgesetzt. Dabei beanspruchen – teilweise mit hohem medialen Aufwand – unterschiedliche Gruppierungen bzw. Einzelpersonen den Wahrheitsgehalt jeweils für sich. Mitläufer, Follower und Fans potenzierten diese Positionen bis zu einem unversöhnlichen Gegeneinander.

Was ist die Basis, auf der wir all diese Informationen einordnen können? Reicht es, unseren Erfahrungen zu vertrauen? Ist das Gesellschafts-/Wirtschaftsmodell überholt? Sind die Wertesysteme der abrahamitischen Religionen (Christentum, Islam, Judentum) noch gültig bzw. widersprechen sich diese? Im Rahmen einer TV-Reportage wurden Passanten in Deutschland Zitate aus der Bibel, dem Koran und der Tanach vorgelesen und um jeweilige Zuordnung gebeten. Die ‚Fehlerquote’ war enorm und deutete an, wie wenig sich die Allgemeinheit mit den Inhalten der drei heiligen Bücher noch beschäftigt. Ein Austausch findet zumeist nur noch auf institutioneller Ebene oder unter ‚Fachleuten‘ statt.

Stattdessen werden, nicht nur in Krisengebieten, religiöse Inhalte zur Ursachenvertuschung (z.B. Kampf um Wasserressourcen) und zur Polarisierung genutzt. Die Triebkraft der Überzeugung, im Recht und bei ‚Gott’ zu sein, bahnt sich – auch heutzutage noch – weiter ihren gewaltsamen Weg: Verunglimpfungen, Molotow-Cocktails, Raketen und Folter sind weltweit an der Tagesordnung und werden stigmatisierend in der europäischen Nachrichtenwelt verbreitet. Das allgemein damit erzeugte Mitleid, die entstehende Scham bzw. die Wut drohen endgültig in Ohnmacht, Resignation und Zynismus umzuschlagen.

Das Kunstprojekt ‚ENTSPRUNGEN‘ fordert Bildende Künstler*innen dazu auf, sich mit den grundlegenden Inhalten und Kräften der Menschheitsgeschichte zu beschäftigen. Basis des Projektes sind ausgesuchte Zitate und zugehörige Illustrationen in der ‚Heiligen Schrift des alten und neuen Testaments‘. Das Kunstprojekt soll die Kenntnis biblischer Werte, die Hinterfragung dieser auf Aktualität fördern sowie den Illustrationen von Gustave Doré (1832–1883) eine zeitgemäße, neue Bildwelt mit eigenen Texten an die Seite stellen.
2. Entwurfsfassung vom 05.04.2019

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